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Tag 19: Slot Canyons (Zebra, Tunnel), Big Horn Canyon

Da wir heute eine ziemlich anstrengende Wanderung vor uns haben, klingelt der Wecker wieder einmal um 6:00 Uhr. Wir stehen auf und packen unsere Rucksäcke zusammen. Heute stecken wir auch unsere Knie- bzw. Ellenbogenschoner ein, denn wir wollen in den Zebra Canyon. Vor der Wanderung haben wir einigen Respekt, denn den Berichten zufolge, muss man dort durch enge Stellen hindurch klettern, was einiges an Kraftaufwand kostet. Zudem ist damit zu rechnen, dass es dort Pools gibt durch die man hindurch muss.

Zunächst holen wir uns noch einen Kaffee von der Rezeption und gegen 7:30 Uhr machen wir uns auf den Weg. Zunächst halten wir an der Tankstelle, um unsere Kühlbox zu füllen. Doch dann geht es schnell weiter zur nur wenige Meilen hinter Escalante beginnenden Hole-in-the-Rock Road. Dieser folgen wir für 13 km bis zu einem unscheinbaren "Parkplatz" neben einem Gatter kurz bevor der Halfway Hollow die Straße kreuzt.

Hier haben wir ja vor ein paar Tagen schon einmal gestanden, sind dann aber doch nicht los gewandert, da wir zu viele Bedenken hatten. Heute sind wir jedoch hoch motiviert und packen schnell noch ein paar Getränke in den Rucksack. Gegen 8:30 Uhr machen wir uns dann auf den Weg.

Zunächst folgen wir einem gut sichtbaren Trampelpfad über eine Ebene. Nach kurzer Zeit geht es hinab zum Halfway Hollow. Der Trampelpfad verläuft nun entlang dem Flussbett, das wir auch einige Male kreuzen. Auf dem Trampelpfad kommen wir zügig voran, denn das Wandern fällt hier relativ leicht. Der Weg ist im Gegensatz zum Flussbett nicht so sandig, sondern schön fest.

Obwohl es noch früh am Morgen ist, ist es schon sehr warm. Wir haben wie eigentlich jeden Tag nicht gefrühstückt und in den letzten Tagen auch wenig geschlafen. Das macht sich jetzt offenbar bemerkbar, denn Bianca wird auf dem weiteren Weg ziemlich schwindelig. Und so suchen wir uns einen Schattenplatz und machen eine Pause. Wir haben zum Glück Traubenzucker dabei, der auch schnell wirkt. Kurz überlegen wir, ob wir umdrehen wollen. Da es Bianca aber wieder besser geht und wir heute nun schon den zweiten Anlauf starten, wollen wir auch weiter. Wir lassen es jetzt nur ein wenig ruhiger angehen und laufen ein wenig langsamer.

Nach etwa 3,2 km erreichen wir den Harris Wash. Um auf dem Rückweg den Pfad wieder zu finden, setzen wir hier lieber einen Wegpunkt. Im Harris Wash halten wir uns links und folgen nach wenigen Metern einem Seitenarm in nördliche Richtung. Während der Harris Wash noch steinig war ist das Laufen diesem Flussbett sehr anstrengend, denn der Boden ist sehr sandig und bei jedem Schritt sinken wir mehrere Zentimeter tief ein. Auf dem weiteren Weg sehen wir überall Moqui Marbles im Sand liegen. Neugierig schauen wir uns diese sonderbaren Steine an. Einige Steine sind kugelrund, andere sehen dagegen aus wie kleine Ufos. Bianca gefallen besonders die offenen Steine, bei denen man den Sandkern sehen kann.

Mittlerweile ist es ca. 10:00 Uhr und es ist schon deutlich wärmer. Aber nach etwa 760 m stehen wir am Eingang des Zebra Slot Canyons. Bereits hier am Eingang können wir einen großen Pool sehen. Und wenn bereits hier das Wasser steht, wird es im weiteren Verlauf nicht besser werden. In den Berichten hatten wir zwar davon gelesen, aber insgeheim hatten wir gehofft, dass der Zugang trocken sein würde.

Da dem nun leider nicht so ist, ziehen wir unsere Wading Shoes an und packen unsere Wechselklamotten aus dem Rucksack aus. Die elektrischen Geräte werden ebenfalls ausgepackt und die Videokamera im wasserdichten Beutel verstaut. Die meisten Sachen lassen wir am Eingang liegen. Wir hoffen darauf, dass sie hier in der einsamen Gegend nicht geklaut werden.

Dann machen wir uns auf den Weg in den Canyon. Matthias geht als erster vorsichtig in den Pool. Nach nur wenigen Schritten geht ihm das Wasser bis zu den Knien. Ein kurzer Blick zurück und Bianca nickt. Also geht es weiter. Der Wasserstand steigt ständig an und reicht ihm mittlerweile schon bis zur Mitte der Oberschenkel.

Nun steigt auch Bianca ins Wasser und folgt Matthias. Das Wasser ist sehr kalt. Außerdem können wir einiges totes Getier auf dem Wasser schwimmen sehen. Was vielleicht noch im Wasser schwimmt oder auf dem Boden liegt, möchten wir uns gar nicht vorstellen. Das Wasser ist so dreckig und schlammig, dass wir nicht auf den Grund schauen können.

Da das Wasser immer tiefer wird und uns langsam bis zur Hüfte reicht, entscheiden wir uns noch einmal umzukehren und unsere Rücksäcke auch am Eingang abzustellen. Dies sollte sich als gute Entscheidung erweisen.

Wir gehen wieder zurück ins Wasser. Diesmal nur mit Stativ, Drybag und Knieschonern, die unsere Ellenbogen beim Bridging vor Schrammen von den rauen Felswänden bewahren sollen, ausgerüstet. Bereits kurz hinter dem Eingang verengt sich der Canyon zusehends. Es wird so eng, dass wir mit unseren Füßen nicht mehr bis auf den Grund kommen, sondern bereits vorher zwischen den Felswänden festklemmen. Und so müssen wir uns an den Canyonwänden abstützen und versuchen, so weiter zu kommen. Es klappt auch ganz gut, wenn man sich mit einem Fuß an der einen und dem anderen Fuß an der anderen Wand abstützt. Allerdings gehen die Wände dann teilweise wieder so weit auseinander, dass wir mit dieser Methode auch nicht weiter kommen.

Wahrscheinlich müssten wir aus dem Wasser heraus und viel höher klettern um besser voranzukommen, aber das erscheint uns dann etwas anstrengend. Und so versuchen wir es weiter durch das Wasser. Leider sind die Canyonwände durch das Wasser und den Schlamm sehr rutschig. Und so passiert es, dass Bianca auf einmal wegrutscht. An dieser Stelle muss das Wasser natürlich besonders tief sein und so taucht sie einmal komplett unter. Zum Glück hatten wir die Rucksäcke abgenommen und am Eingang liegen lassen.

Bianca schreit vor Entsetzen auf, denn wie gesagt, das Wasser ist eiskalt und sehr dreckig. Aber da wir nun schon einmal nass sind, setzen wir unseren Weg fort. Nach einiger Zeit erreichen wir eine Engstelle, an der das Wasser zu tief ist, um darin zu laufen, die Felswände jedoch auch zu eng, um zu schwimmen. Hier geht es nur weiter, wenn man sich an den Felswänden hochstemmt und den folgenden Pool mit Bridging überwindet. Das größte Problem ergibt sich dabei immer dann, wenn der Canyon sich wieder weitet und man wieder hinunter ins Wasser muss, da man nicht weiß, wie tief es ist und ob es am Grund so schmal ist, dass man vielleicht mit den Schuhen festklemmen könnte. Nachdem wir die erste tiefe Engstelle mit Hilfe von Bridging überwunden haben, kommen wir an eine zweite Engstelle, die man ebenfalls nur mit Hilfe von Bridging überwinden kann. Dieses Mal muss man jedoch wesentlich höher klettern und da sich diese Passage am Ende deutlich weitet, wird das herunterklettern deutlich schwieriger. Da sich Bianca nach dem ersten Ausrutscher und den Anstrengungen der ersten Bridging-Passage das Bridging an dieser Stelle nicht zutraut, lässt sie Matthias lieber alleine weiter gehen und wartet im etwa brusttiefen Wasser. Und so macht sich Matthias alleine, bewaffnet mit Fotoapparat und Videokamera, auf den Weg. Kurz hinter dieser Passage steigt der Canyon an und Matthias hat trockenen Fels unter den Füßen.

Im oberen Teil des Canyons kann er nun die Canyonwände mit den typischen rot-weißen Streifen bewundern, denen der Canyon seinen Namen verdankt. Nach wenigen Metern gelangt er allerdings zu einem kleinen Dryfall.

Da der Canyon oberhalb des Dryfalls deutlich flacher ist und die Sonne genau in den Canyon scheint, verzichtet er auf einen Versuch den Dryfall hinaufzuklettern. Und so werden schnell noch ein paar Fotos gemacht und dann macht sich Matthias wieder auf den Rückweg.

Schließlich wartet Bianca noch immer im eiskalten Wasser. Und mittlerweile schlottert sie auch schon ganz schön und die Zähne klappern.

Also steigt Matthias wieder hinunter ins Wasser und wir gehen bzw. waten zurück zum Ausgang. Der Rückweg erweist sich als nicht ganz so schwierig. Schließlich wissen wir nun, an welchen Stellen wir aufpassen müssen und wo es nicht ganz so tief ist.

Zurück am Ausgang ziehen wir uns schnell die nassen Sachen aus und die Wechselsachen an. Dann setzen wir uns zum Aufwärmen erst einmal in die Sonne. Die Stimmung ist bei Bianca auf dem Nullpunkt. Mit so einer Canyondurchquerung hatte sie nicht gerechnet.

Nach einer kurzen Pause und einiger Zeit in der Sonne geht es uns aber wieder besser. Und so entscheiden wir uns, noch zum nahegelegenen Tunnel Canyon zu gehen. Wir gehen den Seitenarm des Harris Wash zurück bis fast zu der Stelle, an der wir vor ca. zwei Stunden in den Wash hinab gestiegen sind. Wir folgen dem breiten Wash nach links für etwa 1,5 km bis wir links in einen kleinen Seitenarm abbiegen.

Direkt am Beginn dieses Seitenarms erwartet uns schon wieder ein großer Pool. Von Wasser haben wir heute wirklich genug! Wir überlegen kurz wieder umzudrehen, doch dann sehen wir, dass wir den Pool an der Seite leicht umgehen können.

Auf dem weiteren Weg müssen wir uns durch immer dichter werdendes Gestrüpp schlagen. Zudem werden wir hier auch von Stechfliegen verfolgt, die heute ziemlich angriffslustig sind und immer wieder beißen. Wild um uns schlagend kommen wir nach etwa 300 m zum Eingang des Tunnel Slot Canyons.

Am Eingang des Canyons befindet sich noch einmal ein kleiner Pool, den wir auf den darin liegenden Felsbrocken trockenen Fußes durchqueren, ansonsten ist der Canyon aber trocken. Wir lassen unsere Rucksäcke am Eingang stehen und erkunden den Canyon. Er ist recht kurz, gefällt uns aber sehr gut. Der Canyon sieht aus wie eine dunkle schmale Felsröhre, in die nur durch einen schmalen Spalt in der Decke etwas Licht fällt.

Mittlerweile ist es 13:00 Uhr und es ist schon wieder über 30° C warm. Umso angenehmer ist die Kühle im Canyon, in den zurzeit kein Licht fällt. Zum Teil hatten wir gelesen, dass man eine Stirnlampe mitnehmen sollte. Dies ist aber absolut nicht notwendig, da man das andere Ende des Canyons jederzeit sehen kann.

Nach etwa 30 Minuten machen wir uns langsam wieder auf den Rückweg. Wir gehen zum Harris Wash zurück und folgen diesem bis zur Einmündung des Halfway Hollow, wo wir wieder auf unseren Trampelpfad treffen. Es ist erst kurz nach 14:00 Uhr und wir haben noch Zeit für eine weitere Wanderung.

Wir könnten dem Harris Wash in nördlicher Richtung bis zum Big Horn Canyon folgen. Dies wären bis zur Mündung des Big Horn zwar nur ca. 4,5 km, allerdings müssten wir dann abends den ganzen Weg wieder zurück laufen. Da man im Harris Wash nicht gerade gut laufen konnte, könnte dies sehr anstrengend werden und so entscheiden wir uns, lieber zum Auto zurück zu laufen und mit dem Auto vom Norden an den Canyon heran zu fahren. Und so steigen wir aus dem Harris Wash heraus und folgen dem Trampelpfad die 3,2 km zurück zum Auto.

Etwas erschöpft kommen wir dort an und freuen uns erst einmal auf ein kühles Getränk aus der Kühlbox. Nach einer kurzen Pause steigen wir ins Auto und fahren die Hole-in-the-Rock Road zurück zum Highway 12. Hier biegen wir jedoch nicht nach links in Richtung Escalante ab, sondern nach rechts in Richtung Boulder. Nach etwa 9 km biegen wir wieder rechts auf die Old Sheffield Road ab.

Die Straße ist etwas ruppig, aber mit unserem 4Runner kommen wir gut voran. Nach etwa 4 km suchen wir uns eine geeignete Stelle, an der wir unser Auto abstellen können, ohne die Straße zu versperren.

Wir packen unsere Rucksäcke zusammen, füllen unsere Trinkflaschen auf und machen uns gegen 15:00 Uhr auf den Weg. Wir suchen uns einen Weg hinab in die East Fork des Big Horn Canyon. Am Anfang ist der Canyon noch breit und flach, doch es geht zum Teil steil bergab. Und auf einmal stehen wir vor einem hohen Dryfall. Allerdings können wir diesen problemlos auf der linken Seite hinunter klettern.

Unten angekommen folgen wir dem Wash. Dieser ist sehr sandig und das Laufen fällt schwer. Da sich der Wash ständig windet, kommen wir nicht allzu schnell voran. Nach etwa 2,6 km mündet auf der rechten Seite die Middle Fork ein. Kurz darauf erreichen wir dann die erste enge Passage.

Die Passage ist recht kurz und die Canyonwände auch nur ca. 3 m hoch. Trotzdem klettern wir natürlich hinunter, denn der Weg führt oben am Canyonrand entlang. Wir machen einige Fotos und gehen den gleichen Weg wieder zurück.

Auf dem weiteren Weg folgen immer wieder enge Passagen und gegen 18:00 Uhr erreichen wir eine Slot Passage, in der wieder Kletterkünste gefragt sind. Wir steigen den Canyon hinab, werden dann allerdings durch ein Pothole aufgehalten.

Zum einen haben wir keine Lust, schon wieder ins Wasser zu steigen und zum anderen sind wir uns auch nicht sicher, ob wir hier wieder hoch kommen würden. Und so steigen wir den Canyon wieder hinauf und laufen am Rand entlang, um uns einen Weg nach unten zu suchen.

Dies schaffen wir auch nach einigen Minuten und können nun von unten in den Canyon hinein laufen. Leider steht die Sonne mittlerweile schon ziemlich tief und die Canyonwände werden nicht mehr angestrahlt. Wir schauen uns ein wenig im Canyon um und machen Fotos.

Die besten Slot Canyons soll es auf dem letzten Kilometer vor der Einmündung in den Harris Wash geben. Bis dahin sind es jedoch noch gut 2 km. Da es jetzt aber bereits nach 18:00 Uhr ist, machen wir uns schweren Herzens lieber wieder auf den Rückweg. Wir wollen schließlich noch im Hellen am Auto ankommen.

Wir klettern aus dem Canyon heraus und können vom Canyonrand noch einmal einen Blick nach unten werfen. Hier sind wir gerade herumgestromert.

Wir laufen die ca. 4 km zurück zum Auto. Auf dem Rückweg können wir die Landschaft genießen, denn mittlerweile ist es nicht mehr so warm und wir laufen die meiste Zeit im Schatten. Wir sehen Felsen in allen möglichen Farben - von gelb bis rot. Kurz vor dem Ende müssen wir dann wieder den Dryfall erklimmen.

Von hier ist es dann nur noch ein kurzer Weg bis zum Auto. Als wir am Auto ankommen, setzt bereits die Dämmerung ein. Wir sind also gerade noch rechtzeitig umgedreht. Ohne eine Pause zu machen, steigen wir ins Auto und fahren die Old Sheffield Road zurück zum Highway. Auf unserem Weg kommen wir an einigen Campsites vorbei, die auch gut gefüllt sind.

Nachdem die Sonne untergegangen ist, können wir den Vollmond über der traumhaften Landschaft genießen. Wir halten noch einmal kurz an, um Fotos zu machen und entdecken dabei noch einen kleinen versteckten Arch.

Als wir den Highway erreichen, fahren wir auf direktem Weg zurück nach Escalante. Wir halten gleich an der Tankstelle am Ortseingang und bestellen uns bei Picadilly Pizza eine große Pepperoni Pizza mit extra Käse. Während die Pizza zubereitet wird, stöbern wir ein wenig in den ausliegenden Büchern.

Nach etwa 10 Minuten ist die Pizza fertig und wir fahren weiter zum Prospector Inn. Wir packen das Auto aus und gehen hinauf ins Zimmer. Dort springen wir schnell unter die Dusche und essen unsere Pizza. Anschließend gibt es noch ein paar kalte Getränke und dann machen wir es uns auf dem Bett bequem, wo wir noch ein wenig Baseball im Fernsehen schauen.

Da wir morgen wieder aus Escalante abreisen, fangen wir schon an, unsere Koffer zu packen. Aber der heutige Tag hat uns doch ein wenig mitgenommen, so dass wir erschöpft ins Bett fallen.


Der 19. Tag in Daten:

Datum
16. September 2005

Motel
Prospector Inn , Escalante
Preis pro Nacht (2 Queen Beds): USD 63,27 = EUR 51,51

Sonstige Ausgaben
Pizza bar bezahlt

Entfernung
98,2 km (davon über 11,5 km und 9,6 km zu Fuß - kein GPS-Empfang im Slot Canyon)

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